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28. Oktober 2017

28. Oktober 2017
10:00 - 13:00
Museum für Gegenwartskunst, Unteres Schloss 1, 57072 Siegen
Fakultät I, Department Germanistik
Tilman Allert (Frankfurt/Main), Steffen Mau (Berlin)
Die Tagung „Ästhetik und Rhetorik des Common Ground“ fragt nach den kulturellen Grundlagen der Gegenwart. Wie konstituiert sich heute der öffentliche Bestand dessen, was wir von der Welt wissen? Was dürfen wir von uns und unseresgleichen erwarten? Welche Geschmacksgrenzen bringen sich heute noch zur Geltung und können eben darum subvertiert werden? Welche Regeln des Sagbaren und des Unsäglichen, des Darstellbaren und Tabuierten finden Beachtung oder werden überschritten?

Diese Fragen drängen sich heute regelrecht auf, wenn man beobachtet, wie die aktuellen Auseinandersetzungen über kulturelle Common Grounds ausgetragen werden. In den auseinanderdriftenden Sinnwelten im Gewimmel unserer ‚breiten Gegenwart‘ (Hans Ulrich Gumbrecht) können Deklarationen und Reklamationen kultureller Common Grounds nur dann Beachtung finden,wenn sie mit großem performativem Einsatz und skandalträchtiger Semantik reüssieren. Dadurch wird die Hintergründigkeit und Latenz des Kulturellen aufgehoben – und zwar sowohl in den Programmen neuerer kultureller Reinheitsphantasien, als auch in den medialen Inszenierungen frei verfügbarer kultureller Heterogenität. Das kulturelle Selbstverständnis kann heute offenbar jederzeit und überall zum potenziell eskalierenden Konfliktfall werden – unabhängig von regional gepflegten Sitten und Gebräuchen, Institutionen und Rechtssystemen.

Der gegenwärtige Widerstreit der Kulturalisierungsregimes – zwischen einer modernistischen, kosmopolitischen „Hyperkultur“ und einem reaktionären „Kulturessentialismus“ (Andreas Reckwitz) – wirkt auf den ersten Blick wie eine Wiederauflage der Auseinandersetzung zwischen universalistischen Weltzukunftsprojekten der Aufklärung (Menschenrechte, Freiheit etc.) und nationalistisch, ethnisch, rassistisch oder sonst wie exklusionistisch
begründeten Common Ground-Inseln imaginierter Gemeinschaften. Aber handelt es sich tatsächlich um einen neuerliche Kulturkampf um die zivilisatorischen
Errungenschaften der Moderne, oder äußert sich in den populären Identitätspolitiken und Populismen der Gegenwart ein Strukturwandel kultureller
Aushandlungsprozesse?

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